von KEN CAMPBELL

Aufführungen 2008

Fast alle von Mr. Pilks „Dramoletten“ sind gekennzeichnet vom Einbruch des Unwirklichen in das normale Leben. Alltägliche Menschen in alltäglichen Situationen werden plötzlich unsichtbar, verschwinden in ihrem eigenen Arschloch oder sind damit konfrontiert, dass ihr eigener Sohn ein Ei legt. Der feste „Code“ des Normalen wird durchbrochen. Und durch die Betrachtung dieser zerstörten Ordnung (durch den Zuschauer) wird die Absurdität dieser jedem mehr oder weniger bekannten Diskussionen, Ängste und Verhaltensweisen erfahrbar.

Der Einbruch des Absurden ist jedoch von den wenigsten der vielen Protagonisten in Mr. Pilks Stückchen erwünscht, da er immer mit Irritation und Angst verbunden ist. Deshalb erhält das Unerklärbare in den meisten Fällen eine Bezeichnung und wird somit „neutralisiert“. Dies geschieht durch den Begriff des „Verrückten“. Dieser Begriff sagt: Das gehört nicht zu uns, das ist krank und muss weggesperrt werden. Daher ziehen sichauch bei genauerem Betrachten die Begriffe „verrückt“, „Irrenhaus“ und „Arzt“ wie Schlüsselworte durch Mr. Pilks Werk.

Doch Ken Campbell lässt uns in den Überleitungen zwischen den Szenen wissen, dass Mr. Pilk diese Entfernung des Abnormen aus der Gesellschaft vollkommen ablehnt. Für ihn ist ein Irrenhaus vielmehr ein Haus, „in das man dich gehen lässt um darin irr zu sein“. Und noch mehr: „Irrsinn ist etwas wunderbares“, ohne ihn wäre das Leben für Mr. Pilk unvollständig. Aus diesen Grundüberzeugungen ergibt sich die lebens- und vor allem psychosenbejahende Lebenseinstellung dieser Figur, die sich selbst auch gerne als „Vorstadtcowboy“ oder „Student des Absurden“ bezeichnet. Ein Vorstadtcowboy tritt auch in der Episode „Ich bin immer ich“ als Stellvertreter Mr. Pilks auf und macht deutlich, wie unglaublich befreiend und befriedigend eine gelebte Absurdität sein kann (eine, wenn nicht überhaupt die Aussage des Stückes).

Trotz der ernsten Thematik verschiedener Geisteskrankheiten und einiger verstörender Szenen haben Mr. Pilks Werke einen zum Teil brachialen Witz. Neben den Episoden, deren Humor sich aus dem Verhalten der in unmögliche Zustände versetzten Menschen ergibt, wartet Mr. Pilk auch mit einigen drastischen Pointen auf, welche einen stellenweise sogar an Tiefgang und Bedeutung des Stückes zweifeln lassen könnten. In seiner Gesamtheit besticht das Stück aber durch seinen brillanten Humor und treffende Charakterisierungen, sodass sich bedeutende Kritiker schon zu Bezeichnungen wie „geilofax“ und „ultrasackheiß“ hinreißen ließen.

Es spielen:
Anna Russegger
Birgit Wagner
Carlo Siegfried
Harry Schäfer
Joseph Weidl

Bühnenbild: Anna Russegger

Kostüm: Anna Russegger

Filmszenen: Carlo Siegfried

Technik hinter der Bühne: Christian Cante

Regie: Martin Klocke